Über den Napf, Gopf!

Wie es dazu kam.

Ich hatte mein Velo schon einmal verkauft. Doch meine damalige Freundin wollte mit mir in die Veloferien und ich kaufte kurzerhand mein Velo beim Käufer zurück. Wir verbrachten dann einige regnerische Tage der Donau entlang. Genau genommen von Donaueschingen bis Passau. Dies war mein erster Einstieg in die Welt der Veloreisenden, wenn auch nicht erfreulich, denn am Abend ging es immer bergauf.

Etwa drei Jahre später erzählte mir mein Untermieter auf einer kleinen Runde mit dem Velo, dass es einen Wettbewerb geben würde und ich mich unbedingt anmelden und mitmachen müsste. Er würde sich auch dafür interessieren und ich soll ihm doch auch einen Tacho organisieren. Ich war immer ein wenig mit dem Bike unterwegs und interessierte mich auch für Velotouren in der näheren Umgebung. Im Internet auf velojournal.ch fand ich auch den interessanten Artikel von Dres Balmer, wo er mit seinem Kollegen und seiner „Reine“ (Rennvelo) von Zürich über den Napf nach Bern radelte. Dies wollte ich an dem Samstag unternehmen, wo die Tachos verteilt wurden. Also schrieb ich ein E-Mail an ILMB mit der Bitte, mir den Tacho doch früher zu geben, damit ich nicht bis 10:00 Uhr warten musste. Ich bekam dann den Tacho (und den Tacho für meinen Untermieter) auch um 08:00 Uhr von Yves Tobler und machte mich auf diese besagte Tour.

 

Mein erster Ausflug.

Nachdem ich den Tacho schnell montiert hatte, fuhr ich also von Winterthur in Richtung Kemptthal. Am Bahnhof hielt ich an und da bemerkte ich, dass der Tacho noch keinen Kilometer gezählt hatte. Das Problem war bald gelöst, die Abstände der Magnete waren zu gross und der Tacho bekam dadurch keinen Impuls. Ich versetzte die Magnete und dann fing auch der Tacho an meine Werte zu erfassen. Leichter Regen setzte ein und ich fuhr Richtung Zürich weiter. Es ging bergab durch den Wald, was ich als sehr angenehm empfand. Es kostete mich keine Energie und Zürich war bald erreicht. Ich fuhr weiter nach Adliswil. An der Strasse auf dem Veloweg stand ein Mann. Er stand in der Nähe einer Garage und rauchte eine Zigarette. Er sah mich kommen, wollte aber den Veloweg nicht freigeben. Ich hielt kurz vor ihm an und sagte ihm: „Sie stehen auf dem Veloweg“ er sagte mir: „Ja, ich weis, aber ich bin doch auch jemand“ da erwiderte ich: „Müssen Sie dafür auf dem Veloweg stehen, um zu zeigen, dass Sie jemand sind ? Sie sind im Weg!“ Ich fuhr weiter und erzwang später meinen ersten Pass, den Bucheneggpass.

Bucheneggpass

Oben angekommen musste ich zuerst etwas zum Zmorgen essen. Ich ging in das Restaurant, wo schon andere Fahrer ihre Velos hingestellt hatten und ass etwas Stärkendes. Dann fuhr ich weiter Richtung Affoltern am Albis. Auf der Schussfahrt nach Affoltern hinunter sah ich nach einer Kurve ein rotes Mobility-Auto quer auf der Strasse stehend. Der Fahrer winkte sich heftig vor dem Gesicht herum, als wolle er Fliegen vertreiben und wollte mir noch ganz den Weg versperren. Ich bremste und kam noch knapp vor seiner Kühlerhaube durch. Ich schrieh: „Gaht’s eigentlich no?“ Ein Kommissionentaschenschleppender Fussgänger schrie: „Auch Velofahrer können bremsen“ und der Mobility-Autofahrer wedelte sich mit seiner Hand noch heftiger vor dem Kopf herum. Er hätte besser mit den Füssen an den Pedalen sein Auto gebremst. Diese Menschen hatten sicher keine Ahnung, wie schön eine Schussfahrt nach einer anstrengenden Passfahrt sein kann. Ich machte mir meine Gedanken und nahm den nächsten Pass in Angriff. *schnauf*

Herrliberger Pass

Am Abend kam ich nach fünf weiteren Pässen erschöpft und gemartert in Willisau an. Jetzt hiess es ein Hotel zum Übernachten suchen, denn es war mir nicht möglich zu wissen, wie weit ich an diesem Tag kam und konnte auch kein Hotel buchen. Das ist für jeden Velofahrer unterschiedlich. Ich fand ein Hotel und quartierte mich ein, nahm eine befreiende heisse Dusche und machte mich schön für den Ausgang. Zuerst suchte ich mir im Dorf eine gemütliche Beiz, wo ich etwas essen konnte und später auf dem Heimweg fand ich noch eine Ausstellung, ein Glas Rotwein und erbauliche Gespräche über die Kunst des Zeichnen und Malen.

Am nächsten Morgen begrüsste mich die Sonne. Ich ass Zmorge und füllte noch meine Wasserflasche. Unterwegs kann es immer Durst geben und es ist nicht immer eine Beiz in der Nähe. Das Hotel verliess ich auf leisen Solen, die Türe war nicht verschlossen. Die Rechnung hatte ich schon am Vorabend bezahlt. Ich fuhr Richtung Luthernbad und dem Napf zu. Unterwegs verfuhr ich mich leicht und bezwang unfreiwillig einen weiteren kleinen aber landschaftlich durchaus schönen Pass. In Luthernbad fuhr ich weiter, bis die Strasse in den Wanderweg überging und staunte. Der Wanderweg ging steil nach oben. Da war nur mein Gedanke: „Wie komme ich mit meinem Velo da hinauf?“ Schieben war angesagt. Ich schob und trug mein Velo den Napf hoch und schaffte es, noch vor dem Mittag im Restaurant auf dem Napf eine Suppe zu bestellen. Die Aussicht belohnte mich für alle Anstrengungen, Sprüchen oder Empfehlungen von Wanderern und das schwere Velo tragen. Mein Velo ist nicht aus Carbon und wiegt als Mountainbike ca. 15 Kilogramm.

Dafür konnte ich nach einer kleinen Pause vom Napf herunterfahren. Das war ein Genuss. Das Wetter stimmte und die Wanderer hatten Verständnis, wenn ich als Velofahrer auf ihren Wanderwegen in das Tal hinunter fuhr. Unten, da wo die Teerstrasse anfing, hatte es noch eine Alpwirtschaft, wo ich unbedingt noch ein Kaffee trinken musste. Diese Alpwirtschaft kannte ich noch von früher, als ich einmal mit dem Motorrad in das Tal hinein fuhr. Ich begrüsste die Leute vor der Beiz und wir sprachen ein wenig über dies und das. Auf dem Land sind die Leute noch gesprächig und wissen gerne, was in der grossen weiten Welt so passiert. Dann setze ich meinen Weg Richtung Bern fort. Ab jetzt ging es nur noch bergab oder flach weiter. Ich machte noch einen kleinen Umweg über ein schönes Tal und kam so um 16:00 Uhr in Bern an. Dort liess ich mich noch als Beweis fotografieren und begab mich dann zum Bahnhof, wo ich gerade noch den nächsten Zug direkt nach Winterthur erwischte.

Bern Bundeshaus

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